Definition von Ehe – inklusive Irrtümer

Rosen im StraußDie Ehe ist ein gutes Konzept

Die Ehe ist dann eine gute Idee, wenn sie mit Leben gefüllt wird. Denn eine Theorieehe scheitert meistens. In der Theorie sieht man es so vor:

  • Da heiraten zwei Menschen.
  • Und bleiben dann für den Rest des Lebens zusammen.
  • Man muss dann nur noch den Zeitraum, der nach dem Jawort kommt, auffüllen. So manche Ehe entwickelt sich ab da in Richtung Fernsehgerät. Keine erbauliche Vorstellung. Im umgekehrten Fall wird überromantisiert:
  • „Ohne diese Frau / diesen Mann kann ich nicht leben“ – oder: „Du sollst mich glücklich machen.“ Damit sind nicht nur unhaltbare Romantikvorstellungen verbunden. Die Überfrachtung des Partners mit Eigenschaften überlastet die Beziehung.
  • Wer denkt, das würde sich alles ergeben, macht sich etwas vor.
  • Eine Ehe ist – wie jede andere feste Bindung auch – die täglich neue Entscheidung für das Gegenüber. Beziehung ist aktives Entscheiden für die Person, die zu ertragen man versprochen hat. Die Partnerin bzw. der Partner ist Person, die man „gut leiden“ kann.

Das ist es, was die Liebe auszeichnet und was Beziehungen über Jahrzehnte lebendig hält:

Die weniger guten Seiten der Partnerin, des Partners ertragen lernen

Der Aspekt des Ertragen steht nicht im Widerspruch zur Idee von Romantik und Erotik – im Gegenteil ermöglicht das geduldige Hinnehmen von Macken erst eine leidenschaftliche Beziehung. Weil der Sex dann nicht als Betäubungsmittel oder Entschädigung für Enttäuschungen im Alltag erlebt wird, sondern als Erfüllung im Einvernehmen. Wie sollte man auch jemand nachts begehren, den man tagsüber kaum ertragen kann?

Die alte Regel (wohl aus einem Schlager der 1970er Jahre entnommen) lautet: Wer f….  will, muss freundlich sein. Da ist viel Wahrheit drin. Apropos. Kommen wir jetzt zu dem, was die Ehe nicht ist, zumindest nicht auf Dauer:

Was ist Ehe nicht?

Die Ehe ist keine Garantiesache

Viele Ehen in die Brüche, weil sie wie eine Garantiesache behandelt werden:

Du hast gesagt, dass dies für das ganze Leben gilt. 

Schon, aber jeder Vertrag braucht auch seine Erfüllung.

Das Jawort, das initiale Eheversprechen im Standesamt und am Traualtar ist nicht mehr als eine Absichtserklärung, häufig im hormonellen Dauerrausch abgegeben.

Heirat ist eine Absichtserklärung – wie geht es weiter nach der Hochzeit?

Nach der Hochzeit beginnt eben nicht eine jahrzehntelange Dauerwerbesendung des Partners für mich.

  • Ich werde nicht täglich in den höchsten Tönen gelobt.
  • Ich ecke an.
  • Ich mache mich unbeliebt, ohne das natürlich zu wollen.
  • Ich werde zur Gewohnheit – in der Welt von Loriot fast wie ein Möbel.
  • Immer dasselbe Gesicht am Tisch, im Auto, beim Einkaufen.

Gewöhnung muss an sich kein Problem sein

Gewöhnung hat ihre guten Seiten. Man kennt die Familien, hat einiges über die Vorlieben und Gewohnheiten des anderen herausgefunden. Man findet sich zurecht im gemeinsamen Leben. Insofern ist Gewöhnung eine gute Sache, weil sie auch für eine gesunde Sicherheit sorgen kann.

Aber.

Wann wird Gewöhnung problematisch?

Gewöhnung wird in jeder Beziehung problematisch, wenn beide Seiten „schon genau wissen, wie sie / er tickt“ oder was „jetzt wieder kommt“ (und man verdreht die Augen).

Wissen – oder das, was wir für Wissen halten – macht uns blind für die Seiten des Partners, die wir noch nicht zur Entfaltung eingeladen haben.

Sex in der Ehe

Sex in der Ehe – kommt vor, aber er passiert nicht einfach so

Würde man „Die Metaphysik der Sitten“ von Immanuel Kant sehr verkürzt und auf heutige Erwartungen zitieren, so käme in etwa folgender Sinn zusammen. So habe ich den Satz einmal von Beratungskollegen gehört:

Die Ehe ist ein Vertrag zur kostenlosen gegenseitigen Überlassung der Geschlechtsorgane.

Bei der Suche nach der Zitatstelle kam ich auf Immanuel Kant.

Im Originaltext wird es freilich differenzierter und vornehmer formuliert: Bei Kant ist die Rede vom „wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften“ der Eheleute. Und weiter:

Der Zweck, Kinder zu erzeugen und zu erziehen, mag immer ein Zweck der Natur sein, zu  welchem sie die Neigung der Geschlechter gegeneinander einpflanzte; aber daß der Mensch, der sich verehlicht, diesen Zweck sich vorsetzen müsse, wird zur Rechtmäßigkeit dieser seiner Verbindung nicht erfordert; denn sonst würde, wenn das Kinderzeugen aufhört, die Ehe sich zugleich von selbst auflösen.

Die Stelle finden Sie hier auf einem Server der Universität Duisburg-Essen

Zweifellos ist die Erotik ein zentrales Thema in den meisten langjährigen Beziehungen. Mit „Thema“ kann gemeint sein: Dauerthema beim Paartherapeuten, der mit Sexualtherapie beauftragt wurde. Thema kann aber auch heißen, dass Sex zur Währung wird und irgendwann die Verweigerung von Sex auch zur Waffe.

Wenn es sonst keine Möglichkeit der Auseinandersetzung mehr gibt, dann kann Sex bzw. die Abwesenheit von Sex zum Kalten Krieg innerhalb einer Ehe werden.

Doch das muss nicht sein.

Die Selbstverständlichkeitsfalle erkennen, beachten und meiden